Amélie & Hubert auf Reisen

Reiseerinnerungen und Fotogalerien

 
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  2016  |  Lissabon - Stadt der Seefahrer am Tejo  
 
Bem-vindo a Lisboa!

Vorbereitung

Unsere Entscheidung für Lissabon fiel eher nach dem Prinzip, welche Städtereisen sind ab dem Flughafen Stuttgart möglich. Den Flug mit Eurowings buchten wir Ende Dezember 2015 in gewohnter Manier über das Internet. Im Januar 2016 dann eine Unterkunft, wieder über Airbnb, im Stadteil Chiado gelegen, also im Herzen der Innenstadt von Lissabon. Als Stadtführer wählten wir Citytrip Lissabon vom Verlag Reise Know-How. Er hat einen Faltplan einschließlich Metroplan, mehr braucht man nicht. Zur Einstimmung lasen wir die nachfolgenden Bücher:
  • Sylvia Roth, Ein Jahr in Lissabon
  • Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon

Reisezeit: 01.- 05. Juni 2016


Tag 1 | Anreise, Bummel durch Baixa mit Abstecher in die Alfama

Lissabon empfing uns mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein bei 25 - 26 Grad. Am Flughafen war der Weg zur Metro gut ausgewiesen. Als wir an einem Automaten für Tickets (Via Viagem) anstanden, bekamen wir welche von Touristen geschenkt, die auf der Heimreise waren. Auf der Fahrt zu unserer Zielstation Baixa-Chiado mußten wir nur einmal umsteigen. Alles war einwandfrei ausgeschildert, wir fanden uns in der Metro gut zurecht. Als wir aus der Metro wieder ans Tageslicht kamen, waren wir gleich am Largo do Chiado und von dort in wenigen Minuten bei unserer Unterkunft Casinha das Flores in der Rua das Flores.

Es war ein Gästehaus im 3. Stock. Aufzug gab es keinen, also nichts für Leute mit schwerem Gepäck. Wir bekamen ein Zimmer ohne Fenster, worüber wir etwas enttäuscht waren, denn so stand es nicht im Angebot. Na ja, für ein paar Tage sollte es gehen, wir wollten ja die meiste Zeit unterwegs sein. Die Mitarbeiter waren alle sehr freundlich, hilfsbereit und sprachen gut Englisch. Wir nutzten das schöne Wetter aus, zogen kurze Hosen und T-Shirts an und machten einen Bummel durch die nähere Umgebung. Der erste Eindruck war allerdings nicht sonderlich schön, graue Häuser mit zum Teil bröckelndem Putz, mit denen man Mitleid bekommen könnte. Alles war ein wenig runtergekommen. Wir hatten es uns schöner vorgestellt. Der morbide Charme der Stadt erschloß sich uns zumindest nicht sofort.


Unser Spaziergang führte uns zuerst zum Ascensor da Bica, das ist eine der drei alten Stadtseilbahnen mit einer Länge von 260 m. Die verwinkelten Gassen waren zum Teil schon geschmückt für das große Fest des Heiligen Antonius am übernächsten Wochenende (ab dem 12. Juni). Danach gingen wir runter zum Tejo. In Lissabon ist der Tejo allgegenwärtig, von fast überall kann man auf den Fluß blicken und sich so auch gut orientieren. Wir fanden zunächst keinen direkten Zugang zum Tejo, keine Uferpromenande oder ähnliches, nur den Bahnhof und eine große Baustelle.

Nachdem wir uns in einem kleinen Straßenrestaurant etwas gestärkt hatten, bummelten wir weiter zum Praça do Comércio. Von dem großen von prachtvollen Gebäuden gesäumten Platz gelangten wir in wenigen Schritten zum Tejo. Am Cais das Colunas führen Treppen bis ins Wasser. Von hier hatten wir einen schönen Blick auf die Ponte 25 de Abril, das Monument Cristo-Rei und die Fährboote auf dem Fluß. Das Lissabon nicht direkt am Meer liegt, merkt man kaum. Der Tejo ist and dieser Stelle sehr breit und ähnelt einem Binnenmeer. Es gab hier auch jede Menge Möven, Besucher und Anwohner saßen entspannt auf den Treppenstufen und genossen die Sonne, im Hintergrund spielte ein Straßenmusikant Gitarre.

Nachdem wir uns an diesem Anblick erfreut hatten, setzten wir unseren Bummel bis zum Hafen fort, wo zwei große Kreuzfahrtschiffe vor Anker lagen. Auch hier gab es auf beiden Seiten der Straße Baustellen. Nun traten wir wieder den Rückweg an, nicht ohne einen Abstecher in die Alfama zu machen. Die Alfama ist das älteste Viertel Lissabons, ein Labyrinth aus steilen Treppchen und schmalsten Gassen, mit lauschigen Plätzchen und morschen Gemäuern. Vorbei an der Catedral Sé Patriarcal bummelten wir bis zum Elevador de Santa Justa. Der Personenaufzug verbindet Baixa mit dem höher gelegenen Stadtteil Chiado und wurde 1902 erbaut.

Davor hatte sich eine lange Warteschlange gebildet. Unserer Meinung nach lohnt es sich nicht, mit dem Aufzug zu fahren. Lissabon hat wirklich bessere Aussichtspunkte. Unterwegs gönnten wir uns dann noch ein Bier, mit 5,50 Euro für 0,5 l nicht gerade billig. Dank des Stadtplans fanden wir uns auf unserem ersten Streifzug durch die Stadt gut zurecht.

Den ersten Abend in Lissabon ließen wir in einem gemütlichen Restaurant mit Live-Musik ausklingen. Es lag nur ein paar Straßen weiter nördlich unserer Unterkunft im quirligen Kneipen- und Szeneviertel Bairro Alto. Dort lernten wir Matthew, einen Engländer vom Nebentisch kennen, mit dem wir Bier tranken und uns den Abend über unterhielten.


Tag 2 | Ausgedehnter Stadtspaziergang durch Baixa, die Alfama und Mouraria

Frühstück gab es im Gästehaus in einer alten geschmackvoll eingerichteten Küche mit hoher Decke in netter Atmosphäre. Zur Auswahl hatte es verschiedenes Brot, Semmeln, Kuchen, Marmelade, Wurst, Käse, Kaffee und Fruchtsäfte. Ein Mitarbeiter stand am Herd und machte Rührei und immer wieder frischen Kaffee. Vom Gästehaus gelangten wir, ähnlich wie am Vortag, über den Praça do Comércio zum Cais das Colunas. Von dort setzten wir unseren Spaziergang bis zur Catedral Sé Patriarcal fort, die von außen etwas an eine Festung erinnert.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einigen alten Häusern mit schönen Azulejos (Wandfliesen) vorbei, in winzigen Käfigen zwitscherten Kanarienvögel, Wäsche flatterte im Wind. Für die Besichtigung der Hauptkirche der Stadt (Baubeginn 1147) nahmen wir uns viel Zeit. Danach legten wir eine ausgedehnte Pause in einem winzigen Café namens Natural Ice ein. Wir setzten uns an ein kleines Tischchen auf der Straße, bestellten Cappuccino und Pastéis (Pastetchen mit Cremefüllung), genossen die Sonne und unterhielten uns mit dem freundlichen Wirt. Der Abschied war sehr herzlich, er gab uns noch den Tip, in der Tram auf Taschendiebe zu achten. Auch hier zeigte sich wieder, die Lisboetas (Lissabonner) sind sehr hilfsbereite und freundliche Menschen.


Gestärkt setzten wir unseren Bummel bergauf entlang der Tramschienen fort, kamen dabei an einem 800 Jahre alten Gummibaum vorbei, bevor wir den Miradouro de Santa Luzia erreichten. Dieser Aussichtspunkt (portugiesisch Miradouro) besticht durch einen kleinen Garten mit Springbrunnen, blühenden Bougainvilleen und die wunderbare Aussicht über die Alfama bis zur Kirche São Vincenta da Fora und der weißen Kuppel des Panteão National. Direkt neben dem Aussichtspunkt befindet sich die Kirche Santa Luzia. An ihrer Fassade sind schöne Kachelbilder zu sehen.

Weiter ging es durch verwinkelte Gassen ein Stückchen bergauf zum Castelo de São Jorge auf dem Alfama-Hügel. Die vor dem 11. Jahrhundert entstandene Festungsanlage ist noch gut erhalten und bietet einen prächtigen Ausblick über die Stadt und den Tejo. Schattenspendende Bäume laden zum Flanieren ein. Als wir dort ankamen, war die Schlange vor dem Ticketschalter noch nicht allzu lang und die zahlreichen Besucher verteilten sich gut auf dem weitläufigen Gelände. Danach nahmen wir wieder den gleichen Weg bergab und weiter ging es ein Stück entlang der Schienen und wieder bergauf bis zur Kirche São Vicente de Fora, die wir uns ohne Eile anschauten.

Auf den Besuch der Klosteranlage nebenan verzichteten wir, stattdessen setzten wir unseren Spaziergang weiter bergauf über die Rua Voz do Operário fort. Dort sahen wir eine wartende Tram, da parkende Autos die Gleise blockierten, was wohl öfter vorkommt. Nun waren wir im Stadtteil Graça. Am Ende der Straße war ein größerer Platz, wo wir in der Nicola Wine Bar Mittagspause machten. Ein paar Stühle und kleine Tische standen auf dem Gehweg. Wir bestellten uns Tapas (Appetithäppchen) und dazu ein Bier. Dann drehten wir in Graça noch eine Runde und gelangten zum schön gelegenen Miradouro da Senhora do Monte. Er ist von einem kleinen Garten umgeben und von hier hatten wir eine schöne Aussicht auf das Castelo de São Jorge, das Viertel Mouraria und bis hin zum Tejo.

Bis zum nächsten Aussichtspunkt dem Miradouro da Graça war es nur ein Katzensprung. Dort gab es ein Kiosk, wo man an kleinen Tischchen Kaffee oder Wein trinken konnte mit Blick auf die alten Stadtviertel Lissabons. Von hier führte der Weg über Treppenstufen hinab ins Viertel Mouraria, die Wände entlang der Treppen waren voller Graffitis. Ein paar Straßen weiter sahen wir zufällig, wie einer Frau ihre Tasche gestohlen wurde, die sie neben sich abgestellt hatte. Die Diebin schnappte sie sich einfach und verschwand in der Menge.


So langsam spürten wir unsere Beine, es ging auf 16 Uhr zu. Wir passierten noch den Praça Martim Moniz, flanierten weiter bis zum Praça do Rossio, dem zentralen Platz in der Baixa, dann am Elevador de Santa Justa vorbei und zurück in Richtung Gästehaus. In der Nähe unserer Unterkunft legten wir im Café A Brasileira noch eine Pause ein, tranken Cappuccino und hörten einer Band von Straßenmusikern von den Kapverden zu. Abends machten wir uns wieder auf den Weg durch die belebten Gassen des Bairro Alto. Zum draußen sitzen war es uns zu kühl und um 20 Uhr waren schon viele der kleinen Restaurants rappelvoll. Im O Barrigas fanden wir noch ein schönes Plätzchen. Das Restaurant war gemütlich, relativ klein, hatte freundliches Personal und faire Preise.


Tag 3 | Ausflug nach Belém, Fahrt mit der Tram 28 durch die Altstadt

Die Morgensonne tauchte die Häuserfassaden in warmes Licht und versprach einen schönen, sonnigen Tag. Wir verließen zeitig das Gästehaus und gingen durch die Rua das Flores runter zum Bahnhof Cais do Sodre, der direkt am Tejoufer liegt. Um nach Belém zu gelangen, nahmen wir eine gelbe moderne Tram, bezahlt haben wir im Zug. Belém liegt am Ufer des Tejos und hat gepflegte Parks und Gärten, architektonische Meisterwerke und viele Museen liegen hier eng beieinander. Für Belém planten wir einen halben Tag ein. Angesichts des schönen Wetters hatten wir keine Lust auf einen Museumsmarathon, sondern wollten die Zeit lieber draußen verbringen.

Von der Haltestelle gingen wir zunächst durch einen Park zum Padrão dos Descobrimentos. Das weiße monumentale Betondenkmal soll an die Goldene Ära der Seefahrer erinnern. Von hier bummelten wir entlang des Tejo zum Wahrzeichen von Lissabon, dem Torre de Belém (UNESO Weltkulturerbe). Das trutzige Bauwerk steht auf einer kleinen Insel und wurde von 1515 bis 1521 erbaut und diente zur Verteidigung des Flußeingangs. Da der Besucherandrang recht groß war, verzichteten wir auf eine Besichtigung. Stattdessen suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen und ließen die Szenerie auf uns wirken.

Danach nahmen wir eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie und gelangten so in wenigen Minuten zur Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymuskloster, UNESCO Weltkulturerbe). Das Kloster aus dem 16. Jahrhundert bot uns einen erhabenen Anblick, die Vorderfront ist über 300 m lang und daran schließt sich die Klosterkirche an. Da wir noch relativ früh dran waren, dauerte das Anstehen für die Eintrittskarten nicht lange und für die Besichtigung ließen wir uns viel Zeit. Die verspielte Architektur auf den zwei Stockwerken ist wirklich atemberaubend. Nach dem Besuch des Klosters beendeten wir unseren Abstecher nach Belém und nahmen den nächsten Bus zurück in die Innenstadt.


Nun wurde es Zeit für die Mittagspause, die wir im Mercado da Ribeira machten. Es ist ein hipper Food-Court, nur ein paar Gehminuten vom Bahnhof Cais do Sodre entfernt. Wir fanden die Preise mittel bis teuer und etwas überlaufen. Woanders ist es gemütlicher. Nach einer Pause im Gästehaus wollten wir endlich einmal mit der nostalgischen Straßenbahn fahren, und zwar mit der berühmten Tram 28. Die Haltestelle war ganz in der Nähe unserer Unterkunft. Wir warteten dort, bis die kleine Bahn ächzend um die Ecke kam und fanden sogar zwei Sitzplätze am Fenster. Die idyllische Fahrt ging von Chiado durch die Stadtviertel Baixa, Alfama und Graça bis zur Endstation Martim Moniz. Die meiste Zeit rumpelte die Bahn über Kopfsteinpflaster und machte ganz schön Lärm. Einen Teil der Strecke waren wir tags zuvor zu Fuß gelaufen. Manchmal fuhren wir so nah an den Häuserwänden vorbei, dass einem angst und bange werden konnte.

Da an der Endstation gerade keine Tram da war und sich schon lange Warteschlangen gebildet hatten, fuhren wir von der nächsten Metrostation zurück. Später stiegen wir nochmal in die 28-er, dieses Mal ging es in die entgegengesetzte Richtung bis zur Endstation Campo Ourique. Gegenüber der Haltestelle liegt der Cemitério dos Prazeres (Friedhof der Freuden), durch den wir einen Spaziergang machten. Hier haben reiche und berühmte Verstorbene der Stadt ihre letzte Ruhestätte gefunden. Zurück ging es dann wieder mit der 28-er. Im Takt der Kurven schaukelten die Passagiere mal nach rechts, mal nach links. Unterwegs versperrte uns ein parkendes Auto den Weg. Der Straßenbahnfahrer bimmelte wie wild mit der Glocke, bis nach gefühlten 10 Minuten der Fahrer gefunden wurde.


Abends ließen wir uns wieder durch das Gassengewirr des Bairro Alto treiben, auf der Suche nach einem Restaurant. Viele Lokale waren schon voll, im Sinal Vermelho bekamen wir noch einen Platz. Das Lokal war etwas nüchtern eingerichtet und wir hatten das Gefühl von Massenabfertigung. Danach gingen wir in der Rua Diário de Notícias in eine kleine Kneipe namens Tasco do Chico, wo es später Fado gab. Es war ein lohnender Tip von einem Mitarbeiter unseres Gästehauses. Das kleine Lokal war schon ziemlich voll, wir holten uns ein Bier und ergatterten noch ein Stehplätzchen an der Eingangstür. Bevor es anfing, wurde die Tür geschlossen, das Licht gedämpft und die Gespräche verstummten. Dann legte eine junge Sängerin mit dem schwermütigen, herzzerreißenden Gesang los. Begleitet wurde sie von zwei Gitarreros. Wir verbrachten dort einen schönen Abend ohne Abzocke, die Musiker spielten und sangen mit Hingabe. Ein gelungener Abschluß des Tages.


Tag 4 | Mit der Fähre über den Tejo zur Cristo Rei Statue

Am letzten Tag vor unserer Heimreise wollten wir noch die andere Seite des Tejo erkunden und der Cristo Rei Statue einen Besuch abstatten. Wir brachen wieder zeitig auf und gingen runter zum Tejoufer. Hinter dem Bahnhof Cais do Sodré befindet sich das Fährterminal. Wir besorgten uns Tickets für die Hin- und Rückfahrt nach Cacilhas. Nach wenigen Minuten legte die Fähre ab, die gesamte Überfahrt dauerte nur 15 Minuten. Die Stadt einmal vom Schiff aus zu sehen ist ein ganz besonderer Anblick, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Vom Fährhafen gingen wir weiter nach rechts in die Rua do Ginjal, die direkt entlang der Kaimauer verläuft. Alte, zerfallene und mit Graffitis besprühte Lagerschuppen säumten den Weg. Angler standen auf verrotteten Pontons und versuchten ihr Glück. Später kam noch ein Stückchen Strand, daneben ein kleines Restaurant. Dahinter, an den Klippen von Cacilhas, sahen wir den Panorama-Aufzug (nur 1 Euro), der uns hinauf nach Almada brachte. Wir schlenderten weiter durch den etwas trostlosen Ort zur Cristo Rei Statue, die man mit dem berühmten Original in Rio de Janairo verwechseln könnte. Das Gelände rund um die Statue fanden wir ungepflegt, etwas öde und lieblos gestaltet.


Wir gingen einmal um die monumentale Statue herum, ließen den Blick über die Skyline von Lissabon bis zur roten Ponte 25 de Abril schweifen. Sie ähnelt der Golden Gate Bridge in San Francisco. Auf den Besuch der Aussichtsplattform (Eintritt 4 Euro / Person) verzichteten wir. Den Ausblick von unten fanden wir beeindruckend genug. Zurück zur Fähre kamen wir mit dem Bus der Linie 101. Den Fahrschein gab es beim Busfahrer, denn unsere grüne Via Viagem Karte war hier ungültig. Unterwegs kam unser Bus an eine enge, von einem Auto blockierte Stelle. Erst duch die Mithilfe einiger Fahrgäste, die den Busfahrer einwiesen, gelang ihm die Weiterfahrt nach Cacilhas, wo unsere Fähre kurze Zeit später abfuhr.

Nachmittags ließen wir uns noch ein wenig durch die Stadt treiben, so ganz ohne Stadtplan. Zum Schluß besuchten wir die auf dem Hügel des Bairro Alto liegende Ruine des Convento do Carmo, ein ehemaliges Kloster. Die gotische Klosterkirche ist ohne Dach, denn das aus dem 15. Jahrhundert stammende Bauwerk wurde beim großen Erdbeben von 1755 zerstört. Nur die Rundbögen des Kirchenschiffs sind erhalten.

Abends zog es uns wieder in die engen kopfsteingepflasterten Gassen des Bairro Alto. Von unserem Gästehaus nur ein kurzer Fußweg. Das Bairro Alto ist sowas wie der Mittelpunkt des Nachtlebens in Lissabon. Wir kamen an Boutiquen, Cafés, Buchhandlungen und CD-Läden vorbei, auf der Suche nach einem netten Restaurant. Kein Geschäft schließt hier vor Mitternacht, kaum eine Bar vor vier Uhr morgens. Wir steuerten das Restaurant Bota Alta an und hatten Glück. Wir waren noch früh dran, es öffnete erst um 20 Uhr und so konnten wir beim Kellner noch einen Tisch reservieren. In der Zwischenzeit bummelten wir durch die belebten Gassen und tranken in einer Bar namens Ginjinha das Gáveas ein Bier. Das Bota Alta fanden wir ganz in Ordnung, das Ambiente war urig und einfach, mit viel Liebe zum Detail, die Tische leider recht eng und das Essen eher durchschnittlich. Halt ein typisches Touristenrestaurant.

Den Rest des Abends verbrachten wir vor dem Ginjinha das Gáveas. Die Bars sind hier so klein, das außer der Theke nicht mehr viel rein geht. Darum holt man sich ein Bier oder einen Wein und steht dann draußen auf der Straße und unterhält sich mit den Leuten. Das wahre Nachtleben findet hier auf der Straße statt und wir haben es sehr genossen und dabei ein paar nette Leute kennengelernt. Es war unser schönster Abend in Lissabon. Am liebsten hätten wir die ganze Nacht durchgefeiert mit all den Leuten auf der Straße.

Tja, wenn am nächsten Tag nicht um 13 Uhr unser Rückflug gewesen wäre, hätten wir das bestimmt gemacht. Wir wollten noch gemütlich frühstücken, unseren Koffer packen und mit der Metro rechtzeitig zum Flughafen fahren.



Fazit

Lissabon ist nicht mit London oder Paris zu vergleichen, aber trotzdem sehenswert, freundlich und jederzeit eine weitere Reise wert. Die Stadt hat ihren ganz eigenen Charme und über ihr liegt eine Ruhe und entspannte Atmosphäre. Das ist natürlich unsere subjektive Einschätzung. Nächstes Mal würden wir uns allerdings eine andere Unterkunft suchen. Das Casinha das Flores ist zwar von der zentralen Lage her unschlagbar, aber vom Krach der Nachtschwärmer, die um vier oder fünf Uhr morgens heimkamen, sich noch lautstark unterhielten oder in der Küche rumkramten, wurden wir jedes Mal wach.

Ansonsten gefiel uns die Stadt sehr gut und wir haben noch lange nicht alles gesehen. Unsere Empfehlung: Lissabon entdeckt man am besten zu Fuß, in den kleinen verwinkelten Gassen gibt es viel Schönes aufzustöbern und man sollte sich dafür Zeit nehmen und nicht möglichst schnell alle Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer abhaken.


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