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Reiseerinnerungen und Fotogallerien

 
  Kurztrip nach Luxemburg - Ostern 2017  Nach unten 
 
Wëllkomm op Lëtzebuerg!

Prolog

Ostern 2017 verbrachten wir im Großherzogtum Luxemburg. Wir wollten mal wieder etwas unternehmen, ohne allzuweit zu fahren. Von unserem Wohnort beträgt die Anfahrt mit dem Pkw etwa 300 Kilometer, die man in circa 3,5 Stunden schaffen kann, wenn es gut läuft. Wieder einmal gab eine Dokumentation bei Arte TV über unser kleines Nachbarland den Anstoß für den Kurztrip. Davor hatten wir keine Vorstellung von Luxemburg und seiner gleichnamigen Hauptstadt. Wir waren erstaunt, wie schön es dort ist.

Sieben Wochen vor Reisebeginn buchten wir ein Hotelzimmer in Luxemburg Stadt und in Vianden. Zur Einstimmung auf das Großherzogtum eignet sich zum Beispiel ganz gut einer der Krimis von Tom Hillenbrand, die alle in Luxemburg spielen.


1. Tag - Karfreitag | Anreise und Bummel durch Luxemburg Stadt

Am Karfreitag fuhren wir morgens zeitig los, um gut durch den Osterreiseverkehr zu kommen. Auf der Autobahn A8 sind in Richtung Karlsruhe oft Staus. Nach der Einreise in Luxemburg fiel uns gleich auf, dass Karfreitag hier kein Feiertag ist. Dank dem Auto-Navi fanden wir das Hotel Carlton in der Rue de Strasbourg recht schnell. Ein freundlicher älterer Herr empfing uns an der Rezeption. Wir bekamen ein einfaches Zimmer zum Innenhof mit WC / Dusche, sauber und für Luxemburger Verhältnisse preiswert. Das Gebäude ist schon ein bischen in die Jahre gekommen, aber es hat einen gewissen Charme und wir würden dort wieder übernachten. Das Hotel hat keine eigenen Parkplätze, es geht nur an der Straße mit Parkuhr. Nach dem Ausladen des Gepäcks fuhren wir in das Parkhaus beim Bahnhof Gare Central, der ganz in der Nähe ist. Im Umkreis des Hotels gibt es mehrere Cafés und Restaurants, direkt gegenüber ist ein kleiner Asia-Shop.

Am Place Clairefontaine, im Hintergrund die Kathedrale Notre-Dame

Da das Wetter am Karfreitag schön war, gingen wir zu Fuß in die Altstadt, wofür wir etwa 10 Minuten benötigten. Wir nahmen die Avenue de la Gare und nach ein paar Hundert Metern erreicht man die Passerelle, eine schöne Viaduktbrücke, die über das Pétrusse-Tal führt und das Bahnhofsviertel mit der Altstadt verbindet. In der Nähe der Kathedrale Notre-Dame, dem Wahrzeichen der Stadt, machten wir auf dem Place Clairefontaine Mittagspause, saßen gemütlich in der Sonne und aßen eine Kleinigkeit. Hier spürten wir einen Hauch von französischem Charme über der Stadt. Frisch gestärkt ging es dann weiter bis zum berühmten und im Herzen der Stadt gelegenen Bockfelsen mit seinen Kasematten-Tunneln, die wir aber nicht anschauten. Bei dem schönen Wetter gab es auch draußen genug zu entdecken.

Unser Spaziergang ging dann weiter ein Stück entlang der Chemin de la Corniche, die auf den alten Mauern der Festung verläuft. Die Corniche trägt auch den Beinamen "schönster Balkon Europas" und das zu Recht. Von der Corniche hat man einen traumhaften Blick auf den Stadtteil Grund, das Alzette-Tal und die Felsenlandschaft am Rande der Innenstadt. Die Festungen und das Altstadtviertel zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Unser Spaziergang führte uns am Fischmarkt (Fëschmaart), vorbei, dem ältesten Platz der Stadt, bis wir auf das Konrad Café & Bar stießen, das etwas versteckt in einer kleinen Seitenstraße liegt.

Die bunt zusammen gewürfelten Möbel gefielen uns, es sah cool alternativ aus. Ideal, um sich bei guter Musik ein bischen von der Besichtigungstour zu erholen. Auch hier war es, wie in ganz Luxemburg, verhältnismäßig teuer. Ein Stück Kuchen kostete 5,20 €, der Café au lait 2,90 €. Danach bummelten wir noch durch die Fußgängerzone rund um die Grand-Rue, wo sich viele schicke Geschäfte und Einkaufsgalerien befinden. Für den Rückweg nahmen wir die Pont Adolphe, wo gleich auf der anderen Seite am Place de Metz die luxemburgische Staatsbank, ein schlossähnlicher Bau mit markantem Turm, das Stadtbild beherrscht.

Blick auf den Stadtteil Grund, mit dem Flüßchen Alzette und der Kirche Saint-Jean Baptiste

Abends machten wir uns nochmals auf den Weg in die Altstadt. Wir wollten die deftige landestypische Küche kennenlernen und entschieden uns für das Restaurant Am Tiirmschen, in der Rue de l'Eau 32. An der Fassade des großen Gebäudes prangt das Motto der Luxemburger, "Mir wölle bleiwe wat mir sin", ein beliebtes Fotomotiv. Wir waren zum Glück früh dran und erhielten noch einen schönen Tisch, ohne reserviert zu haben. So konnten wir unseren ersten Abend in Luxemburg bei gutem Essen und in entspannter Atmosphäre genießen. Das stilvoll eingerichtete Restaurant mit Steinmauern und Holzbalkendecke füllte sich dann aber zusehends.

Wir bestellten uns Judd mat Gaardebounen (deftiger Eintopf mit geräuchertem Schweinenacken, Saubohnen und Kartoffeln), das Nationalgericht der Luxemburger schlechthin, sowie Kniddelen gebroden mam roquefort sauce an nuss (Mehlknödel mit Blauschimmelkäse und Walnuß). Dazu paßte ein trockener luxemburgischer Riesling ausgezeichnet. Das gute Essen wollten wir noch mit einen Nossdrëpp (Walnussschnaps aus Vianden) abschließen, aber da musste der sehr nette und aufmerksame Kellner passen. Wir nahmen dafür mit einem Birnenschnaps aus der Region vorlieb.


2. Tag - Ostersamstag | Besuch der Unterstadt, Weiterfahrt nach Vianden

Am Ostersamstag war das Wetter nicht mehr so schön wie tags zuvor. Es war kühler und die Sonne versteckte sich hinter den Wolken. Wir begannen den Tag mit einem Frühstück, dass es im Erdgeschoß in Buffetform gab. Im Anschluß daran packten wir zusammen, den Trolley konnten wir im Hotel zurücklassen. Dieses Mal unternahmen wir einen ausgedehnten Spaziergang durch die, im Vergleich zur schicken Oberstadt, eher dörflich verträumt anmutende Unterstadt.

An der Viaduktbrücke nahmen wir ein Sträßchen, das runter in den Stadteil Grund führte. Dort schlenderten wir weiter entlang am rechten Ufer der Alzette und besuchten die Kirche St.-Jean Baptiste. Von hier unten hatten wir einen schönen Blick auf die Kasematten und die etwa 70 Meter höher gelegene Oberstadt. Die Alzette plätschert hier leise vor sich hin, die Atmosphäre ist sehr schön. Am anderen Ufer entlang der Felsen befinden sich Gärten mit Kräutern und alten, seltenen Gemüsesorten. An warmen Sommerabenden muß es hier sehr heimelig sein, es gibt einige Brasserien und Cafés in Grund, wo man gemütlich draußen sitzen kann. Über eine kleine Brücke gelangten wir auf die andere Seite und stiegen hoch zur Corniche.

Blick über die Alzette zu den Felsen der Bock-Kasematten

Für eine Weile kam sogar wieder die Sonner hervor. Wir legten am Fischmarkt eine kurze Kaffeepause ein, bummelten danach über den bunten Wochenmarkt auf dem Place Guillaume II und besichtigten zum Abschluß die Kathedrale Notre-Dame. Die Kirche besticht durch ihren prächtigen Altar und die hübschen Buntglasfenster. Mit ihren drei spitzen, weithin sichtbaren Türmen prägt sie das Stadtbild. In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter verschlechtert, leichter Nieselregen hatte eingesetzt. Darum kehrten wir ins Hotel zurück und bereiteten uns für die Weiterfahrt nach Vianden vor. Im Parkhaus traf uns schier der Schlag, als wir 40 Euro Parkgebühr zahlen mußten. Tja, man gönnt sich ja sonst nichts.

Wochenmarkt auf dem Place Guillaume II

Von Luxemburg Stadt fuhren wir über die Autobahn weiter nach Norden ins Burgstädtchen Vianden, das auch als Perle der Ardennen bezeichnet wird. Schon der berühmte Schriftstelle Victor Hugo war von ihr fasziniert. Der malerische Ort liegt am Fluß Our und schon beim Näherkommen geht der Blick hinauf zur mittelalterlichen Burg Vianden, die hoch oben über dem Our-Tal thront. Ein herrlicher Anblick. Wir hatten uns für zwei Übernachtungen die kleine Auberge Aal Veinen "Beim Hunn" ausgesucht, eines der ältesten Gebäude im Ort. Wir brachten dann das Gepäck in dem etwas verwinkelten, aber gemütlichen Fachwerkhaus aufs Zimmer, parkten unser Auto einige hundert Meter weiter oben am Ortsende an der Straße (Route du Diekirch), da es für Autos keine Parkmöglichkeit gab. Von dort sieht man auch sehr gut auf die mittelalterliche Burg.

Da wir noch zeitig dran waren, unternahmen wir einen Spaziergang hinauf zur Burg und erkundeten ausführlich das beeindruckende Gemäuer. Die Burg wurde vom 11. bis 14. Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen Kastels gebaut. Im Jahre 1977 kam sie in Staatsbesitz und wurde mit großem Aufwand restauriert. Dadurch hat man einen guten Einblick in das Leben seiner früheren Bewohner. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Baudenkmälern Europas. Von den Burghöfen und Terrassen hat man normalerweise einen schönen Blick auf Vianden, das Our-Tal und die Ardennen. Leider war bei uns der Himmel wolkenverhangen und es fing zu regnen an. Wir nahmen dann wieder den Fußweg hinunter und gingen bis zum Flüßchen Our, um uns noch ein wenig das beschauliche Vianden anzusehen. An der Our-Brücke kamen wir auch am Haus vorbei, in dem Victor Hugo 1871 knapp drei Monate lebte.

Blick auf die Burg Vianden im Luxemburger Norden

Schließlich ging es durch enge gepflasterte Gassen zurück in die Auberge, die am Ende der Altstadt direkt am Fuße der Burg liegt. Dort sind auch noch Reste der alten Stadtmauer mit ihren Türmen zu sehen. Unser Zimmer war klein, aber schick und traditionell eingerichtet, WLAN gab es auch. Im Erdgeschoss ist eine rustikale Gaststätte, die Speisekarte ist ein Genuss für Fleisch- und Grillliebhaber. Wer gern Fleisch ißt, kommt hier auf seine Kosten. Für das Abendessen hatten wir einen Tisch reserviert, da das Lokal immer gut besucht ist. Wir fühlten uns hier sehr wohl, der Gastraum ist gepflegt, mit viel Holz und Stein und vermittelt eine gemütliche Atmosphäre. Die Portionen waren recht groß, zu einem fairen Preis und die Bedienung fanden wir super nett. Die Verständigung klappte auch hier gut mit Französisch, Englisch und Deutsch.


3. Tag - Ostersonntag | Wanderung durch die Luxemburger Schweiz

Nach dem Frühstück fuhren wir nach Echternach, der ältesten Stadt des Landes. Die kleine Stadt liegt in der Region Müllerthal am Fluß Sauer. Die Sauer ist der Grenzfluß zwischen Luxemburg und Deutschland. Die Region Müllerthal, oder Mëllerdall auf luxemburgisch, wird auch die Kleine Luxemburger Schweiz genannt, da die einzigartige mit Sandsteinfelsen durchsetzte Landschaft an die Schweiz erinnert. Hier in der schönsten Gegend des Großherzogtums wollten wir eine Wanderung durch die grandiose Hügel- und Felslandschaft machen.

Die Wolfsschlucht in der Kleinen Luxemburger Schweiz

Beim Busbahnhof in Echternach kann man kostenlos parken und dort begann unsere Wanderung auf dem Wanderweg E1 bis Berdorf. Das ist die Königsetappe par excellence. Wir zogen leichte Wanderschuhe an, in unsere Tagesrucksäcke kamen noch Wasserflaschen und ein Regenschutz und dann ging es los. Die Tour ist gut mit dem Logo des Weges ausgeschildert. Von Echternach stiegen wir zunächst auf den Hügel Trooskneppchen, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt hat.

Von dort wanderten wir weiter und erreichten nach einiger Zeit die Wolfsschlucht, mit ihren beeindruckenden 40 bis 50 Meter hohen Felswänden links und rechts des Weges. Sie ist eines der spektakulärsten Naturdenkmäler der Kleinen Luxemburger Schweiz. Von hier folgten wir der Markierung des Weges weiter durch das idyllische Aesbachtal bis zum nächsten Höhepunkt, dem Labyrinth, einer Ansammlung riesiger Felsbrocken. Der Trail geht durch schmale Spalten zwischen den Felskolossen hindurch. Weiter führte uns der wildromantische mäandernde Weg über kleine Stege hinauf bis zur Hohllay, einer durch den Abbau von Mühlsteinen entstandenen Höhle.

Unterwegs zum nächsten Höhepunkt, dem Labyrinth

Hinter der Hohllay kamen wir an einer Felsgrotte vorbei, dem Amphitheater, das als Freilufttheater genutzt wird. Hier gabelt sich der Weg und wir folgten dem Wegweiser nach links, wo es nach Berdorf ging. Im Ort machten wir im Restaurant Trail-Inn eine größere Rast, bevor wir uns auf den Weiterweg machten. Wir aßen eine Kleinigkeit, Amélie ließ sich einen Salatteller mit sehr leckerem Berdorfer Ziegenkäse schmecken. Da das Wetter schlechter wurde und es nach Regen aussah, kehrten wir wieder um.

An der Weggabelung nahmen wir die Route E1 bis nach Echternach, die landschaftlich nicht ganz so schön wie der Hinweg war. Unterwegs kamen wir an der Geyerslay vorbei, einem hohen Felsen mit einer Aussichtsplattform, die man über eine Eisenleiter erklimmen kann. Dieser Aussichtspunkt lud uns zu einer kurzen Rast ein, bevor wir entlang eines kleinen Kanals zurück nach Echternach wanderten. Zum Abschluß unserer Tour bummelten wir noch durch die Altstadt von Echternach, wo gerade ein mittelalterlicher Markt abgehalten wurde. Wir besuchten dann noch die St.-Willibrordus-Basilika, bevor wir uns auf den Rückweg nach Vianden machten. Den letzten Abend in Vianden verbrachten wir wieder in der urigen Gaststätte der Auberge Aal Veinen.

Im Labyrinth, man kommt sich fast vor, wie an einem Herr der Ringe Drehort


4. Tag - Ostermontag | Heimreise bei Regen

Für die Heimreise hatten wir uns die Route du vin (luxemburgisch: Lëtzeburger Wäistrooss) durch das reizvolle Moseltal vorgenommen. Unterwegs wollten wir eines der gemütlichen Winzerdörfer anschauen und etwas Wein kaufen, so war der Plan. Leider machte uns der Wettergott einen Strich durch die Rechnung. Das Wetter war an diesem Tag mit Abstand am schlechtesten. Als es dann anfing, in Strömen zu regnen, machten wir nur kurz bei einer Weinhandlung halt und fuhren dann weiter in Richtung Heimat.

Fazit

Wir müssen nicht immer weit in die Welt reisen, um etwas zu erleben.

Unsere Buchtipps



 
 
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