Amélie & Hubert auf Reisen

Reiseerinnerungen und Fotogallerien

 
   Nach unten 
 
  2017  |  Tauchsafari Daedalus, Rocky Island, Zabargad mit der M/Y Longimanus  
Die M/Y Longimanus vom Zodiac aus gesehen

As-salam alaykum!
"Die unbelastete Seele gewinnt am allermeisten beim Abenteuer unter Wasser"

Lou Fead [1]


Prolog

Letztes Jahr hatten wir gute Erfahrungen mit unserer ersten Tauchsafari gemacht. Wir konnten bis zu vier Tauchgänge pro Tag durchführen und sahen großartige entlegene Riffe, die von einer Tauchbasis an Land nicht zu erreichen sind. Auch hat uns die entspannte Atmosphäre an Bord gut gefallen. Den Alltag lässt man einfach an Land, nichts erinnert an die Realität. Außer Tauchen, Essen und Schlafen macht man nichts. Und das mehrmals am Tag.

Dieses Jahr wollten wir wieder die farbenprächtige Unterwasserwelt genießen und unsere Wahl fiel erneut auf das Rote Meer. Es ist eines der farbenprächtigsten Meere überhaupt, von uns in gut vier Flugstunden zu erreichen und wir haben dort noch lange nicht alles gesehen. Es sollte wieder in den tiefen Süden gehen. Daher entschieden wir uns für die M/Y Longimanus mit der Route Daedalus Reef, Rocky Island und Zabargad Island in der Zeit vom 04. bis 11.05.2017.

Da wir mit Tourmare letztes Jahr gute Erfahrungen gemacht haben, buchten wir die Tour einschließlich der Flüge Anfang Dezember 2016 wieder bei diesem Reiseanbieter. Wir nahmen eine der zwei Suiten am Sonnendeck, dieses Mal gegen Aufpreis. Sie ist an sich nichts besonderes, ein normales Zimmer, aber im Gegensatz zu den Kabinen im Unterdeck konnten wir nachts die Tür auflassen und bekamen so immer frische Luft. Das ist uns lieber als die Klimaanlage. Um die Tauchgänge entspannter angehen zu können, wählten wir vorab für uns noch 15-Liter Flaschen, die es ohne Aufpreis gab.


1. Tag | Anreise nach Port Ghalib

Wie gewohnt fuhren wir von unserem Wohnort mit der S-Bahn zum Flughafen Stuttgart. Wir flogen mit Condor und hatten 20 Kg Freigepäck. Da man bei Condor diesbezüglich böse Überraschungen erleben kann, das heißt zuviel Gepäck kann sehr teuer werden, wogen wir zuhause unsere Koffer und das Handgepäck sorgfältig. Wir waren in der Toleranzgrenze, unsere Tauchausrüstung hatten wir wie immer auf die Koffer und das Handgepäck verteilt.

Tauchgepäck ist bei Condor anmeldepflichtig, aber es ist nicht einzusehen, dass wir dafür pro Strecke und Person 49,99 Euro bezahlen sollen, obwohl alles zusammen mit persönlichen Gegenständen ordnungsgemäß untergebracht war. Wir trugen deshalb auch neutrale Kleidung ohne Tauchmotive, um dumme Fragen am Schalter zu vermeiden. Jedenfalls verlief der Check-In problemlos und unser Flieger kam fast pünktlich um 17:25 Uhr in Hurghada an. Draußen hatte es noch 30 Grad. Wir freuten uns schon sehr auf die Sonne und die Wärme. Es war Anfang Mai und zuhause hatten wir schlechtes Wetter bei 8 bis 10 Grad.

Vor der Passkontrolle wurden wir von einem Mitarbeiter von Barakuda Diving empfangen. Die M/Y Longimanus gehört zu Barakuda Diving mit Sitz in Safaga. Vom Flughafen fuhren wir dann direkt nach Port Ghalib zum Jachthafen, wo wir nach 21 Uhr ankamen. Wir wurden herzlich von den Guides Sven Meyer und Mohamed Tolba begrüßt und bekamen sogar noch ein warmes Abendessen serviert. Nachdem wir unser Gepäck und die Tauchausrüstung verstaut hatten, machten wir noch einen Abstecher an Land ins nahe gelegene Divino Restaurant. Hier saßen wir dann gemütlich unter freiem Himmel und ließen uns kühles ägyptisches Stella Bier schmecken. Für Taucher der Longimanus gab es 10% Rabatt. Das war ein Tipp von Guide Sven.


2. Tag | Checkdive bei Abu Dabab 4

Am nächsten Morgen war um 6:30 Uhr Wecken. Der Tagesablauf war ähnlich wie letztes Jahr auf der Golden Dolphin II. Nach dem Frühstück machten wir unsere Tauchgeräte fertig, die Guides prüften die Brevets, Logbücher und Gesundheitszeugnisse. Inzwischen hatte die Longimanus Abu Dabab 4 erreicht, den ersten Tauchplatz für den Checkdive. Bevor es losging bekam jeder Taucher ein ENOS Notfallgerät ausgehändigt und Sven erkläre uns die Funktionsweise. Es ist ein elektronisches Notrufsystem, das per Funk die GPS Position der Person in Not direkt an das Tauchboot übermittelt. Das gab uns noch zusätzlich ein Gefühl der Sicherheit bei unseren Tauchgängen.

Endlich war es soweit, über uns strahlte ein wolkenloser Himmel, darunter lag schimmernd das tiefblaue Meer. Kurz nach 11 Uhr sprangen wir dann ins Wasser und prüften unsere Bleimenge. Ich ließ mir noch von der Crew ein Kilo anreichen, dann hatte ich 6 kg und das war ausreichend. Dieses Mal hatten wir ja 15-Liter Stahlflaschen. Wir tauchten bis auf 20 Meter ab und schlossen uns dabei unseren Kollegen Johann und Markus an.

Der Tauchgang führte uns über sandigen Grund an schönen und sehr großen Korallenblöcken vorbei, unterwegs sahen wir Blaupunktrochen, Kugelfische und einen Drachenkopf. Am Ende des Eingewöhnungstauchganges hatten wir noch Gelegenheit, das Setzen der Boje zu üben. Gegen Ende spürten wir trotz 5 mm Anzug und Unterziehshirt, dass das Wasser nur 23 Grad warm war. Bald darauf ertönte die Schiffsglocke zum Mittagessen im Salon und anschließend war Relaxen angesagt. Inzwischen hatte die Longimanus zum berühmten Elphinstone Reef übergesetzt, wo wir am Nordplateau den zweiten Tauchgang vom Zodiac aus machten.

Abu Dabab 4: Drachenkopf


Die Longimanus besucht auch das Elphinstone Reef

Wir waren 12 Taucher und Sven teilte uns in zwei Gruppen ein, wobei er ein gutes Gespür hatte, wer zusammenpasst. Amélie und ich kamen in die B-Gruppe zu Guide Mohamed Tolba. Per Rolle rückwärts und mit negativer Tarierung ließen wir uns ins kühle Nass gleiten bis in eine Tiefe von 30 Meter. Ab dem 2. Tauchgang bekamen wir Nitrox 28, so konnten wir bei einem PO2 von 1,4 noch bis auf 40 Meter gehen. Auch der letzte Tauchgang für diesen Tag verlief eher unspektakulär. Unterwegs paddelte eine Schildkröte an uns vorbei, ansonsten ist noch eine Muräne und ein Napoleon zu erwähnen. Großfische ließen sich keine blicken. Zum Abendessen trafen sich wieder alle im Salon, wo es eine leckere Mischung aus ägyptischen und westlichen Gerichten in Buffetform gab. Später saßen wir noch in lockerer Runde auf dem Oberdeck beisammen, wobei uns Sven Gesellschaft leistete.

3. - 4. Tag | Zwei Tage am Daedalus Reef, der Heimat der Hammerhaie

Um am nächsten Morgen die ersten am Daedalus Reef (Abu Kizan) zu se/in, fuhren wir noch in der Nacht weiter. Um Zeit zu sparen, wurde auch das Briefing auf den Vorabend verlegt. Das Daedalus Reef ist ein legendärer Tauchplatz und einer der spektakulärsten im Roten Meer. Er liegt etwa 80 km vor der Küste von Marsa Alam und reicht auf Tiefen von 5 bis 40 Meter hinunter. Allerdings ist Daedalus kein Tauchplatz für Anfänger. Gelegentlich kommt es zu starken Strömungen, daher ist eine eigene Boje für jeden Taucher absolute Pflicht und das sichere Setzen sollte beherrscht werden.

Das Riff ist schon von weitem an seinem schwarz-weiß geringelten Leutturm zu erkennen. An keinem anderen Ort im Roten Meer ist die Chance auf Großfisch besser als hier. Vor allem die Begegnungen mit Bogenstirn-Hammerhaien, die hier in einer recht standorttreuen Population vorkommen. Die majestätischen Tiere sind so etwas wie die Könige des Roten Meeres. Glücklicherweise hatten wir hier zwei ganze Tage eingeplant.

Diesen Morgen machte Sven seine Weckrunde schon um 5:30 Uhr. Wir tranken nur kurz einen Schluck Kaffee, dazu ein paar Kekse und machten uns fertig. Dann düsten wir mit zwei Zodiacs an die Nordseite. Die See war ruhig, aber bei den kommenden Tauchgängen hatten wir teilweise hohe Wellen. Als wir dort ankamen, blickte Mohamed kurz in die Runde und zählte "drei, zwei, eins, go!" und wir ließen uns rückwärts ins Meer fallen. Es war gerade mal 5:54 Uhr und wir konnten sogar noch etwas leuchtendes Plankton sehen.

Gespannt und voller Erwartungen tauchten wir ab, weg von der Riffwand hinaus ins Blauwasser, und legten uns in 30 - 35 Meter Tiefe auf die Lauer. Wer die Tauchgänge am Daedalus Reef richtig genießen will, darf mit dem Abtauchen im Blauwasser ohne optische Referenz kein Problem haben, ebensowenig mit der Orientierung, mit der Tiefe und mit Haien. Um nicht auf das Riffdach gespült zu werden, sollte man auch zügiges Abtauchen beherrschen.

Daedalus Reef: Mantarochen


Man weiß nie was einen erwartet

Wir warteten schon eine gute Viertelstunde, als plötzlich wie aus dem Nichts ein stolzer Manta auftauchte und geradewegs an uns vorbeischwebte, einen Looping drehte und langsam wieder im tiefen Blau verschwandt. Wir freuten uns sehr über den großen Rochen, der einige unvergessliche Augenblicke bei uns verweilte. So nah und so schön hatten wir bislang noch nie einen Manta gesehen. Ein Anblick, der keinen Taucher kalt lässt. Am Ende des Tauchgangs sollte es nicht der einzige gewesen sein. Später zeigte sich noch ein großer Napoleon und Amélie sichtete einen Grauen Riffhai.

Für die nächsten beiden Tauchgänge fuhren wir mit den Zodiacs einmal an die Westseite und zuletzt an die Nordseite. Wieder sahen wir einen Manta, einen Grauen Riffhai und eine Gruppe Napoleons, aber keine Hammerhaie. Beim Drift entlang der Westseite passierten wir Anemon City, eine große schöne Kolonie von Anemonen, die mit drei unterschiedlichen Arten von Clownfischen bevölkert ist. Am späten Nachmittag konnte, wer wollte, dem Leuchturm vom Daedalus Reef einen Besuch abstatten. Ein Zodiac brachte uns zur Anlegestelle, von der Schienen zum Leuchtturm führten.

Unser erster Landgang nach einigen Tagen auf See. Eine schmale Wendeltreppe führte auf den Turm, von dem wir einen phantastischen 360° Rundumblick hatten. Auch der nächste Tag hielt für uns wieder einiges bereit. Kaum hatte die Sonne das Meer wachgeküßt, waren wir schon im Wasser. Wieder ging es zur Nordseite und gleich beim Abtauchen sahen wir direkt unter uns einen Hammerhai vorbeiziehen. Wir durchkämmten danach noch eine Weile die blaue Wüste, mit der Hoffnung etwas Großes zu sehen, aber ohne Erfolg.

Daedalus Reef mit Leuchtturm


Hammer- und Fuchshai

Beim zweiten Tauchgang blieb Amélie an Bord, da sie Probleme mit den Ohren hatte. Dieses Mal tauchte ich mit Markus und Johann direkt vom Boot aus und ohne Guide. Wir ließen uns bis zur Riffkante sinken und tauchten dann rechte Schulter entlang der Wand, auch mal ein Stück vor zur Abbruchkante auf gut 36 Meter. Immer mit Blick ins Blau, auf der Suche nach Haien. Die Steilwand war schön mit Weich- und Hartkorallen bewachsen und dazwischen wuselten Fahnenbarsche und andere Riffbewohner.

Auf dem Rückweg gab sich dann doch noch ein Hammerhai die Ehre. Er zog gemächlich und recht nah auf unserer Höhe vorbei. Ich versuchte Markus und Johann, die vor mir waren, auf ihn aufmerksam zu machen, aber sie waren zu sehr auf die Riffwand fixiert. Eine Weile später bemerkte ich unter uns auf schätzungsweise 40 - 45 Meter einen Schatten und tatsächlich, es war ein Fuchshai. Man erkannte ihn gut an seiner charakteristischen Schwanzflosse, die etwa der Hälfte der gesamten Körperlänge entspricht.


Wenn Träume war werden

Beim letzten Tauchgang am Daedalus Reef war Amélie wieder dabei und wir fuhren nochmal mit zwei Zodiacs an die Nordseite. Abermals tauchten wir im Freiwasser ab bis auf 36 Meter und hielten Ausschau nach Großfisch. Wertvolle Minuten vergingen, aber es war nichts zu sehen. Wir tauchen dann mit Mohamed linke Schulter entlang der Steilwand in Richtung Süden und sahen nach einer Weile nochmal einen Manta. Plötzlich, da! Ein einzelner Bogenstirn-Hammerhai bewegte sich elegant auf uns zu, drehte dann mit geschmeidigen Bewegungen ab und zog majestätisch davon.

Wir starrten wie gebannt auf das Tier, so nah und so schön hatten Amélie und ich bislang noch nie einen Hammerhai gesehen. Hammerhaie sind scheue Gesellen, darum verhielten wir uns ruhig und warteten ab, was passiert. Sie kreisen oft in Form einer Acht und kommen meist wieder an den Kontaktpunkt zurück. Und so war es dann auch. Er kam nach ein, zwei Minuten nochmal angeschwebt, drehte wieder langsam ab und verschwand im Blauwasser. Inzwischen waren Amélie und ich mit Mohamed allein und warteten noch unweit der Steilwand, ob sich noch etwas tut.

Außer ein paar einzelnen Barrakudas bekamen wir keine weiteren Großfische mehr zu Gesicht. Ein schöner Abschluß am Daedalus Reef. Mohamed setzte die Boje, wir machten unseren Safety Stop und ließen uns von einem Zodiac abholen. Beim Auftauchen gilt das Gleiche wie beim Abtauchen: genügend Abstand zum Riffdach halten, mindestens 20 Meter. Sonst wird es auch für die Zodiac-Fahrer zu gefährlich, uns Taucher abzuholen.

Bogenstirn-Hammerhai am Daedalus Reef


5. Tag | Tief in den Süden, Rocky und Zabargad Island

Wir fuhren wieder in der Nacht weiter und irgendwann weit nach Mitternacht erreichten wir den südlichsten Tauchplatz der Tour, Rocky Island (El Gabal). Es war schon bewundernswert, wie die Jungs von der Bootscrew nachts mit dem Zodiac rausfuhren, ins Wasser sprangen und die Longimanus sicher an den dafür vorgesehenen Tauen festmachten. Die Insel erhebt sich aus bis zu 1000 Metern Tiefe vom Meeresgrund und ist durch ihre steil abfallenden Flanken ideal für Haibeobachtungen. Die Riffwände sind schön bewachsen mit Weichkorallen, Gorgonien, Schwämmen und Fächerkorallen. Auch dieser Tag sollte wieder einiges für uns bereithalten.

Rocky Island

Morgens dann "same procedure as yesterday". Sven machte seine Weckrunde um 5:30 Uhr, die Zodiacs brachten uns zur Ostseite und um 6:02 Uhr tauchten wir wieder ab in Neptuns Reich. Was gibt es Schöneres als den neuen Tag im Korallenriff zu begrüßen? Es ging wieder auf gute 30 Meter Tiefe runter und dann tauchten wir linke Schulter langsam entlang der Steilwand zurück zur Longimanus. Wir hatten Glück, es dauerte nicht lange, als uns ein einzelner Bogenstirn-Hammerhai begegnete, den wir nah und richtig gut sehen konnten.

Aber damit nicht genug. Ähnlich wie tags zuvor tauchte tief unter uns plötzlich ein Fuchshai auf. Fuchshaie halten sich selten in flacheren Gewässern auf und wer sie sehen will, muß schon an das zulässige Tiefenlimit für Sporttaucher gehen. Um das scheue Tier noch besser zu sehen und eventuell ein gutes Foto von ihm zu machen, ließ ich mich bis auf 38 Meter absinken. Doch der Hai ließ mich nicht heran und es gelangt mir nur eine Aufnahme aus der Distanz. Trotzdem habe ich mich sehr darüber gefreut, nochmal einen Fuchshai so gut sehen zu können.

Als wir die Longimanus erreichten, befand sich unter dem Schiff ein riesiger Sardinenschwarm. Schwer zu schätzen, aber es waren bestimmt hunderttausende wenn nicht Millionen von Tieren. Die Fische umgaben uns wie eine dunkle Wolke. Dann entdeckten wir einen Seidenhai, der in etwa 5 - 6 Meter Tiefe ganz entspannt unter dem Boot kreiste. Er war überhaupt nicht scheu und zog oft mit nur wenigen Zentimetern Abstand an uns Tauchern vorbei. Inzwischen waren wir alle unter dem Boot, um das Schauspiel zu genießen. Neben dem Hai gesellten sich noch zwei Barrakudas dazu, einer der beiden ein recht großes Tier. Wie wenn das nicht genug wäre, kam zum krönenden Abschluß des 69 Minuten langen Tauchganges noch eine Schule mit circa 20 Delphinen vorbei. Das erste Mal, daß wir Delphine unter Wasser sahen. Ein beeindruckendes Erlebnis, fast zu schön um wahr zu sein.

Rocky Island: ein Seidenhai zieht seine Kreise direkt unter der Longimanus


Wracktauchgang am Zabargad Island (St. John's Island)

Beim Frühstück war aufgrund unserer unglaublichen "Hai-Lights" jegliche Müdigkeit verflogen und wir fieberten dem nächsten Tauchgang entgegen, der ebenfalls hier stattfand, bevor wir wieder etwas nach Norden zur Insel Zabargad (St. John's Island) fuhren. Er verlief dann aber ohne besondere Vorkommnisse. An der Ostseite von Zabargad liegt ein 70 Meter langes und etwa 10 Meter breites Wrack in 24 Meter Tiefe, das wir besuchten. Amélie und ich sind jetzt nicht so die Wrack-Fans, aber für uns war es interessant zu sehen, wie die Natur verlorenes Terrain wieder zurückerobert.
Blick auf Zabargad Island


6. Tag | Tauchen an den Fury Shoals, Weiterfahrt nach Norden

/ In der Nacht waren wir weiter Richtung Norden zu den Fury Shoals gefahren. Das sanfte Schaukeln ließ uns wie Kinder einschlafen. Den ersten Tauchgang absolvierten wir am Tauchplatz Shaab Maksur, einem länglichen Drop-Off Riff, mit steil abfallenden Wänden an der Ost- und Westseite. Wir fuhren mit den Zodiacs an die Nordseite und um 5:57 Uhr ging es ab ins 25 Grad warme Rote Meer. Gleich zu Beginn des Tauchgangs begegnete uns ein einzelner Bogenstirn-Hammerhai. Auf andere größere Fische trafen wir nicht, dafür gab es beim Austauchen an der Riffkante eine unglaublich Fülle von Weich-, Fächer und Hartkorallen zu bestaunen.

Als nächstes fuhren wir Shaab Claudio an, einen zauberhaften Tauchplatz inmitten eines wunderschönen, farbenprächtigen Korallengartens. Letztes Jahr haben wir ihn schon einmal betaucht, aber er hat nichts von seiner Faszination verloren. Die Lichtspiele durch das einfallende Sonnenlicht sind sagenhaft. In der Nähe des Einganges zum Höhlensystem trafen wir wieder auf einen alten Bekannten, den großen "Kuschelnapoleon". Mit 76 Minuten war Shaab Claudio unser längster Tauchgang der Tour. Nach Shaab Claudio war für Amélie leider Schluß mit Tauchen, da sie wieder Probleme mit den Ohren bekam.

Danach fuhren wir weiter nach Abu Galawa Soraya und Shaab Bohar Kebir, wo wir an letzterem Spot noch einen Nachttauchgang machten. Bei unserem einzigen Nachttauchgang gab es außer einer Spanischen Tänzerin keine Besonderheiten. Diesen Tauchgang haben wir wieder ohne Guides selbständig in zwei kleinen Gruppen durchgeführt. Da heute der letzte Abend auf See war, gab es als Überraschung ein Captain's Dinner. Sven und Mohamed hatten sich dafür extra eine Fliege umgebunden und empfingen uns am Eingang zum Salon. Bevor wir das leckere Essen genießen konnten, stellte uns Sven nochmals alle Crew-Mitglieder einzeln vor.


7. Tag | Starke Strömung am Elphinstone Reef

In der Nacht fuhren wir weiter nach Norden nochmal zum Elphinston Reef. Dieses Mal waren wir eine kleinere Gruppe und von den Guides begleitete uns nur Sven. Mit einem Zodiac ging es zum Nordplateau und schon um 5:33 Uhr ließen wir uns ins Meer gleiten. Wir tauchten ab bis auf 33 Meter und näherten uns dann der Riffwand. Je näher ich an die Wand kam, umso stärker wurde die Strömung. Ich fiel etwas zurück und mußte ganz schön gegen die Strömung paddeln, um wieder zu den Kollegen aufzuschließen. Dabei geriet meine Atmung fast außer Kontrolle (Essoufflement).

Alle hielten sich irgendwie an Korallen oder Felsen fest. Ich gab meinem Buddy Martin ein Zeichen und konnte die Atmung zum Glück wieder in den Griff bekommen. Silke, die einzige Taucherin heute morgen, konnte nicht mehr aufschließen und so blieb Sven bei ihr und die beiden tauchten wieder auf. Wir warteten noch einige Zeit, immer den Blick ins Blauwasser gerichtet auf der Suche nach Haien, aber ohne Erfolg. Schließlich machten wir kehrt und tauchten ohne Strömung langsam entlang der schön mit Korallen bewachsenen Riffkante zurück zum Schiff.

Nach dem letzten eher unspektakulären Tauchgang am Spot El Khorafi ging es wieder zurück nach Port Ghalib, wo wir noch die letzte Nacht an Bord verbrachten. Nachmittags bummelten wir durch den Jachthafen und abends gab es nach dem Dinner zum Ausklang der Tour noch eine nette Cocktailparty auf dem Oberdeck. Am nächsten Tag wurden wir nach dem Mittagessen wieder wohlbehalten zum Flughafen nach Hurghada gebracht.

Ein Wei▀flecken-Kugelfisch beim Tauchplatz El Khorafi


Fazit

Das Rote Meer ist einfach unschlagbar, azurblaues Wasser, beste Sicht und wunderschöne Korallenriffe. Es war ein Traum und wir konnten kaum genug davon bekommen. Die Longimanus hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber trotzdem ist es ein Top Safariboot, von Tauchern für Taucher, wie wir finden. Natürlich gibt es luxuriösere Schiffe in einer gehobenen Preisklasse. Es ist halt immer die Frage, was man erwartet. Wir waren jedenfalls rundherum zufrieden mit dem Schiff, der Crew, dem Essen und unseren beiden Guides Sven und Mohamed.

Sven war immer gut gelaunt, fürsorglich und sehr gewissenhaft und mit seiner Größe von 2,10 Meter nicht zu übersehen. Jemand wie ihn trifft man selten. Mit Mohamed war jeder Tauchgang ein Erlebnis, seine Tauchgangsführung war sehr relaxed und schön langsam. Genau das was wir beide wollen. Captain Ahmed und seine ägyptische Crew waren ohne Ausnahme sehr freundlich und hilfsbereit. Nicht umsonst wurde die M/Y Longimanus schon mehrfach mit dem Tauchen Award ausgezeichnet.





[1] Amerikanischer Taucher und Buchautor
 
 
   Nach oben