Amélie & Hubert auf Reisen

Reiseerinnerungen und Fotogallerien

 
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2017  |  3-wöchige Rundreise mit dem Wohnmobil durch Kanadas Westen  
Upper Waterfowl Lake mit Mount Chephren (3307 Meter)

Welcome to Canada!
Vorbereitung

Schon im November 2016 machten wir uns Gedanken über unsere nächste große Reise 2017. Nach einigen Überlegungen (wir zogen mehrere Länder in Erwägung) einigten wir uns auf Kanada, das zweitgrößte Land der Welt, das 2017 auch sein 150-jähriges Bestehen feierte. Es sollte unsere erste Reise nach Nordamerika werden. Schnell hatten wir uns für British Columbia (BC) mit den Kanadischen Rockies und Vancouver Island entschieden. Auf Vancouver Island wollten wir auch Tauchen gehen. Es muss nicht immer tropisch warm sein, die Küste von Britisch Columbia gilt als bestes Kaltwassertauchgebiet der Welt.

Als nächstes legten wir die Reisezeit fest. Wir wollten den Indian Summer (September - Oktober) erleben, aber erst nach den kanadischen Schulferien (bis 05. September), wenn es auf den typischen Touristenrouten etwas ruhiger wird. Insgesamt wollten wir das Land für drei Wochen bereisen. Wir fanden einen Direktflug von Frankfurt nach Vancouver bei Air Canada, den wir Anfang Dezember in gewohnter Manier über eines der bekannten Online Reiseportale buchten (09.09. - 02.10.2017). Als nächstes stellte sich uns die Frage, mit welchem Verkehrsmittel wollen wir in Kanada unterwegs sein.

Nach intensiver Recherche von Reiseberichten im Internet kamen wir zum Entschluss, Kanada mit einem Camper zu bereisen. Er bietet ausreichend Platz, wir würden Übernachtungskosten sparen und uns wesentlich flexibler im Land bewegen, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei unserer Recherche merkten wir schnell, dass Kanada kein billiges Reiseland ist. Hotels waren teuer und einige sogar schon für den von uns anvisierten Zeitraum ausgebucht. Das schon im Januar! Dafür waren, anlässlich der 150-Jahre Feier, die National Parks das ganze Jahr 2017 für alle Besucher kostenfrei. Der nächste Schritt bestand darin, einen Anbieter für ein Wohnmobil zu finden. Nachdem wir einige Anbieter verglichen hatten, entschieden wir uns für die kanadische Firma Four Seasons RV Rentals mit Sitz in Abbotsford, mit denen wir per E-Mail Kontakt aufnahmen.

So hatten wir Ende Januar alles unter Dach und Fach, einschließlich der Anzahlung für den Camper. Da wir an einem Samstag in Vancouver ankamen und erst am Montag den Camper in Empfang nehmen konnten, buchten wir Ende Januar auch gleich zwei Übernachtungen im Sandman Hotel Vancouver Airport. Das Hotel bietet einen kostenlosen Shuttle Service zum Flughafen und zur nächsten Metro Station sind es circa 15 Minuten zu Fuß. Jetzt fehlte uns nur noch eine passende Tauchbasis auf Vancouver Island. Ich hatte im Vorfeld schon bei Taucher.net nach einer Basis gesucht und war auf Rendezvous Dive Adventures gestoßen. Eine kleine schnuckelige Basis, am Barkley Sound gelegen, mit fünf Zimmer für maximal 10 Gäste und nur mit einer Fähre zu erreichen.

Anfang Februar nahmen wir per E-Mail Kontakt mit Rendezvous Dive Adventure auf, was nicht zu früh war. Wir fanden zum Glück noch einen Termin, der in unsere Planung passte. Mitte Februar überwiesen wir die Anzahlung. Nun hatten wir noch acht Monate Zeit uns auf diese spannende Rundreise zu freuen und vorzubereiten, wobei sich Amélie um die Ausarbeitung der Route und die Detailplanung kümmerte.




Tag 1: Vancouver, Anreise und erste Eindrücke

Vancouver war Start und Endpunkt unserer Rundreise durch British Columbia und einem kleinen Teil von Alberta. Aber zuvor mussten wir 8300 Kilometer und knapp 10 Stunden Flugzeit hinter uns bringen. Zudem starteten wir in Frankfurt mit einer guten Stunde Verspätung. Es ging über England, an Island vorbei und über Grönland. Sehen konnten wir leider nichts, Nebel und Wolken verdeckten die Sicht. Erst über dem Norden Kanadas hatten wir einen tollen Ausblick. Über den Rocky Mountains bis zum Anflug auf Vancouver verschwand die Landschaft wieder hinter den Wolken. Mit entsprechender Verspätung landeten wir wohlbehalten in Vancouver. Die Einreiseformalitäten waren schnell überstanden und in der Ankunftshalle versorgten wir uns noch mit kanadischen Dollar am Geldautomaten. Die eTA (Electronic Travel Authorization) für Kanada hatten wir uns schon frühzeitig besorgt. Es ist eine Einreisegenehmigung, die seit 2016 online beantragt werden muss.

Als wir den Flughafen verließen, war es schon kurz nach 16 Uhr. Vancouver empfing uns mit kühlem trüben Wetter, ganz anders als wir es von unseren bisherigen Reisen gewohnt waren. Draußen gab es einen Bereich, wo Fluggäste auf die Hotelbusse warteten. Wir stellten uns dazu und nach kurzer Zeit kam ein Shuttle Bus von unserem Hotel. Bis zum 5 km entfernten Hotel waren es circa 20 Minuten Fahrzeit. Als wir eingecheckt hatten und unser Gepäck aufs Zimmer brachten, waren wir total müde. Wir beschlossen, eine Weile zu schlafen, im Hotel etwas zu essen und den Abend hier zu verbringen. Lieber morgen ausgeruht die Stadt erkunden. Das Zimmer fanden wir ganz in Ordnung. Es war groß, sauber, hatte ein geräumiges Bad/WC, TV, Küchenzeile mit Mikrowelle und eine Klimaanlage, die wir gleich ausmachten, da sie uns zu laut war. Im näheren Umfeld des Hotels gab es wenig Infrastruktur. Es gibt sicher bessere Unterkünfte, aber wir fanden die günstige Lage am Flughafen und den Shuttleservice ganz gut.

Vancouver: Spaziergang entlang der Waterfront


Tag 2: Vancouver, wir erkunden die Stadt, Gastown, Steam Clock, Gassy Jack

Nach der ersten Nacht in Kanada machten wir uns ausgeruht und voller Tatendrang auf den Weg ins hoteleigene Moxie's Grill & Bar. Gestern Abend hatten wir uns hier schon unseren ersten kanadischen Burger schmecken lassen. Sie waren sehr gut, aus hochwertigen Zutaten. Kein Vergleich zu dem Mampf der bekannten Fastfood-Ketten. Amélie entschied sich für ein mexikanisches Frühstück, ich nahm die klassische Variante mit Würstchen, Spiegelei, Vollkorntoast und Kartoffeln. Dazu gab es eine recht große Tasse Kaffee. Das Personal war sehr freundlich und entspannt, wir wurden gefragt, wie es uns geht und ob alles in Ordnung ist. Kanadische Freundlichkeit eben. Das Frühstück machte uns wieder fit für den Tag, war aber nicht im Hotelpreis inbegriffen.

Bei einem freundlichen Herrn an der Rezeption erkundigten wir uns nach dem Weg zur nächsten U-Bahn Station (SkyTrain). Von ihm bekamen wir noch einen kostenlosen Stadtplan und machten uns auf den Weg zur Haltestelle Bridgeport. Unterwegs kamen wir an einem Costco Großmarkt vorbei, heute am Sonntag herrschte ein riesiger Andrang, der große Parkplatz war komplett voll. Für uns ungewöhnlich, aber in Kanada sind viele Geschäfte die ganze Woche geöffnet, auch sonntags oder an Feiertagen. Von Bridgeport ging es zunächst über den Fraser River, bald darauf verschwand die Bahn im Untergrund. Wir fuhren nach Downtown bis zur Haltestelle Waterfront. Von dort bummelten wir entlang der Water Street durch den historischen Stadtteil Gastown mit seinen hübschen alten Backsteinhäusern und den mit großen Bäumen gesäumten Straßen. Auch hier waren die meisten Geschäfte offen. Wir kamen auch an der Steamclock vorbei, dem berühmten Wahrzeichen des Stadtteils, sowie an der Bronzestatue von John "Gassy Jack" Deighton, dem Namensgeber des Stadtteils. Direkt bei der Statue im Six Acres Pub & Restaurant legten wir eine Pause ein, tranken gemütlich einen Kaffee und ließen die neue Umgebung auf uns wirken. Die Menschen hier sind entspannt und gut gelaunt, die Stadt ist sehr sauber.


Chinatown, Totempfähle im Stanley Park

Von hier bummelten wir weiter nach Chinatown, wo wir uns eine SIM Karte für Kanada kauften. Da uns Chinatown nicht sonderlich gefiel, gingen wir wieder zur Waterfront Station und von dort weiter einen Fußweg entlang der Waterfront bis hinüber zum Stanley Park. Der Weg verlief direkt am Wasser und wir hatten immer wieder schöne Ausblicke auf die Stadt. Im Stanley Park war unser Ziel die Totempfähle der First Nations, die an die ehemaligen Bewohner des Parks erinnern. Da wir inzwischen schon recht weit gelaufen waren, nahmen wir im Park den Bus Nummer 19 an der Haltestelle Rose Garden zurück nach Downtown, bis in die Nähe der U-Bahn Station Waterfront. Uns taten schon die Füße weh, aber da es noch nicht so spät war, drehten wir nochmal eine Runde in Gastown und gönnten uns in einem netten Café einen Cappuccino und dazu noch etwas Kuchen. Danach ging es wieder zurück ins Hotel. Den schönen Tag ließen wir dann später kulinarisch im Moxie's mit leckeren Burgern und dunklem kanadischen Bier ausklingen.
Vancouver: Totempfähle im Stanley Park


Tag 3: Übernahme des Campers bei Four Seasons in Abbotsford

Am Montag warteten wir dann in der Eingangshalle auf unseren Transport nach Abbotsford, der leider verspätet eintraf, da der Fahrer zuerst beim falschen Sandman Hotel war. In einer Stunde Fahrzeit erreichten wir das Depot von Four Seasons und konnten nach einer ausführlichen Einweisung "unseren" Camper in Empfang nehmen. In Kanada werden diese Fahrzeuge auch Motorhome oder einfach RV (recreational vehicle) genannt. Einen Trolley konnten wir im Depot zurücklassen, wodurch wir einiges an Platz einsparten. Den zweiten wollten wir zum Tauchen mitnehmen.

Anfangs war es schon gewöhnungsbedürftig, mit Automatik zu fahren aber insgesamt kamen wir schnell mit der Handhabung des Campers zurecht, zumal wir uns das mit 20 Fuß Länge kleinste Modell ausgesucht hatten. Da wir noch nach Vancouver Island wollten, fuhren wir direkt nach Tsawwassen zum Fährterminal und nicht wie geplant nach Horseshoe Bay nördlich von Vancouver. Schon bei der Fahrt nach Abbotsford sahen wir lange Staus auf dem Highway 1 in Richtung Vancouver.

In Nanaimo mussten wir unbedingt noch unsere Tauchausrüstung abholen und danach noch weiter an die Westküste von Vancouver Island bis nach Port Alberni fahren. Am Terminal konnten wir problemlos ein Ticket kaufen und mit Kreditkarte bezahlen. Um diese Jahreszeit braucht man keine Reservierung. Als wir in der Warteschlange standen, riefen wir bei Shirley von den Nanaimo Dive Outfitters an und sagten Bescheid, dass wir voraussichtlich erst nach Ladenschluss ankommen würden. Wir waren erleichtert, als sie uns versicherte, dass noch jemand im Shop sein wird.

Tsawwassen: wir stehen mit unserem Camper in der Warteschlange der BC Ferries


Vancouver Island, Tauchausrüstung abholen und Weiterfahrt nach Port Alberni

Nach einer zweistündigen Überfahrt bei sonnigem Wetter erreichten wir den Hafen von Nanaimo. Zum Tauchshop war es aber noch ein gutes Stück zu fahren, den wir dank unserem von zuhause mitgebrachten Navi problemlos fanden. Nach einer herzlichen Begrüßung halfen uns Shirley und Theo die richtige Ausrüstung zusammenzustellen und mit zwei großen Boxen voller Tauchsachen machten wir uns auf den Weg nach Port Alberni. Mit den Boxen und dem zweiten leeren Trolley, der für die Ausrüstung viel zu klein war, wurde es etwas eng im Camper.

Wir erreichten Port Alberni in der Dämmerung, kauften noch Bier und eine Flasche Wein in einem Liquor Store, da die kleine Tauchbasis keine alkoholischen Getränke verkauft. Bier, Wein und andere Spirituosen kann man in Kanada nur in den offiziellen Liquor Stores kaufen. Mit Lebensmittel wollten wir uns erst nach dem Tauchen versorgen. Anschließend fuhren wir zum Hafen, um nachzusehen, wo die Fähre Lady Rose ablegt. Am nächsten Morgen sollten wir spätestens um 7:30 Uhr dort sein, die Abfahrt war um 8 Uhr und wir wollten dann nicht lange suchen. Wir stellten dann den Camper in der Nähe auf einen Parkplatz und machten uns auf die Suche nach etwas Essbarem, aber ohne Erfolg.

Die Gegend war etwas heruntergekommen und die vorhandenen Restaurants waren geschlossen. So fuhren wir nochmal ein Stück zurück, bis wir ein Fastfood Restaurant fanden, das noch offen hatte. Zur Qualität sage ich jetzt mal nichts, unter normalen Umständen hätten wir dort nie gegessen. Danach ging es wieder zurück zum Hafen, wo wir uns auf dem Parkplatz für die erste Nacht einrichteten.


Tag 4: Fahrt nach Haggard Cove mit der Fähre Lady Rose

Am nächsten Morgen regnete es, der Himmel war bewölkt, aber kalt war es zum Glück nicht. Wir fuhren die wenigen Meter zum Pier, besorgten uns ein Ticket im Büro, wobei wir den Leuten sagten, dass wir zu Rendezvous Dive Adventures wollen. Auch hier war eine Reservierung unnötig. Schließlich packten wir unsere Tauchausrüstung und was wir sonst noch mitnehmen wollten in einen Transportbehälter, der später aufs Schiff verladen wurde. Wir erkundigten uns noch nach dem Parkplatz, wo wir unseren Camper für die nächsten Tage sicher stehen lassen konnten. Letzte Nacht waren wir falsch, nur hundert Meter weiter beim Bahnhofsgebäude war der Richtige. Bevor es losging, besorgte Amélie noch Kaffee und frische warme Donuts. Später sahen wir, dass man an Bord auch frühstücken und was für den kleinen Hunger und Durst zwischendurch kaufen konnte.

Pünktlich um 8 Uhr legte die Lady Rose in Richtung Bamfield ab. Wir fuhren vorbei an grünbewaldeten Hügeln in Richtung Pazifik, wobei sich die Landschaft stetig veränderte. An Wildtieren gab es unterwegs nichts zu sehen, nur die schöne Landschaft. Dafür kam langsam die Sonne raus, so wie es der Kapitän versprochen hatte. Bei Sonnenschein hat man einfach bessere Laune und die Farben der Landschaft sind viel intensiver. Nach einigen Stopps erreichten wir Haggard Cove, wo wir schon von Peter und Kathy erwartet wurden. Wir luden unser Gepäck in ihr Boot und machten uns auf den Weg zum Resort. Inzwischen hatte sich das Wetter weiter gebessert, die Sonne schien und es war angenehm warm.

Unterwegs mit der Lady Rose nach Bamfield mit kurzem Halt in Kildonan


Ankunft bei Rendezvous Diving: Natur, Berge, Inseln, einfach schön

Die Lage der Basis war ein Traum, ringsherum nur Natur, Berge, Wald und ein paar Inseln. Die beiden wohnen hier draußen ganz abgeschieden mit ihrem Hund Sam und der Katze Bug. Sie haben noch fünf Zimmer für maximal 10 Gäste. Wir hatten das Glück, dass wir in der Zeit die Einzigen waren. Kathy führte uns durch das geschmackvoll eingerichtete Haus, das uns gut gefiel. Wir bekamen das schönste Zimmer, mit Blick auf den Barkley Sound. Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, tranken wir zusammen im Esszimmer Kaffee. Die beiden waren uns auf Anhieb sympathisch. Wir plauderten noch eine Weile und nachdem Peter uns erzählte, was er mit uns vorhat, machten wir uns fertig fürs Tauchen. Wir unterhielten uns hauptsächlich auf Englisch. Peter ist gebürtiger Holländer und spricht auch Deutsch, die Kanadierin Kathy aber nicht. Für heute waren noch zwei Tauchgänge geplant, der erste gleich am Spot Off the dock am Hausriff.

Wir tauchen ein in die farbenprächtige Unterwasserwelt des Nordpazifiks

Die Wassertemperatur lag an der Oberfläche bei 12 Grad, in 20 Meter Tiefe nur noch bei 8 - 10 Grad. Darum taucht man hier mit Trockentauchanzügen, für die wir eigens am Anfang des Jahres einen Kurs gemacht hatten. Der dicke "Trocki" und der warme Unterzieher hatten viel Auftrieb, so dass ich 20 Kilo Blei brauchte! Amélie kam mit 15 Kilo zurecht. So gegen 14 Uhr tauchten wir dann ab in Neptuns Reich. Die Unterwasserwelt hier im kalten Nordpazifik war uns völlig neu und ganz anders, als wir es bislang aus wärmeren Gefilden kannten, aber nicht weniger faszinierend. Hier sahen wir für uns völlig neues maritimes Leben, wie beispielsweise die Giant Plumose Anemone oder grimmige Wolf-Eels (Seewölfe). Nach 40 Minuten beendeten wir den Tauchgang, da sich langsam die Kälte in unsere Glieder schlich. Eventuell wäre mit etwas mehr Luft im Anzug die Wärmeisolierung noch besser gewesen.

Nach einer Pause, die bequemen Unterzieher ließen wir an, fuhren wir mit dem Boot zum nächsten Tauchspot Chup point. Kathy machte wieder das Briefing und danach stiegen wir mit Peter entlang der Ankerleine bis auf eine Tiefe von 18 Meter ab. Auch hier gab es eine farbenfrohe Unterwasserwelt zu bestaunen. Fische wie Lincod oder Quillback Rockfish, verschiedene Krabbenarten und immer wieder farbenprächtige Anemonen. Zudem war die Landschaft hier unten sehr abwechslungsreich. Nach einer Weile stießen wir auf einen toten Seelöwen, den Peter genau fotografierte. Er hatte eine Schusswunde, aus der noch Blut kam. Den Vorfall meldete Peter später der Hafenbehörde.

Vermutlich wurde das Tier von einem professionellen Fischer erschossen. Unsere Gastgeber setzen sich sehr für den Umwelt- und Naturschutz ein und die Sache machte Peter schon zu schaffen. Nach dem Tauchen ließen wir die Ausrüstung auf dem Boot, bis auf die Trockies, die wir an Land in einem Schuppen zum Trocknen aufhängten. Danach freuten wir uns auf den Hot Tub, eine Art Whirlpool mit warmem Wasser, der im Freien stand, umgeben von Bäumen und Sträuchern. Wir holten uns noch jeder ein Bier, dafür gab es extra eine Halterung am Hot Tub, und genossen die Wärme. Ein wunderbarer Ort zum Entspannen und Abschalten. Wir waren sehr froh, hier draußen zu sein und der damit verbundene Aufwand hatte sich mehr als gelohnt.

Um 19 Uhr rief uns Peter zum Abendessen. Kathy hatte was Feines gekocht, es gab Steaks, Kartoffeln und Gemüse. Dazu tranken wir unser mitgebrachtes Bier. Die ganze Atmosphäre war sehr locker und familiär. Durch die warme Gastfreundschaft der beiden fühlten wir uns hier wie zuhause. Zum Abschluss des Abends schauten wir uns noch eine DVD über die Unterwasserwelt hier im Nordpazifik an, die Peter und Kathy gemacht hatten.

Ankunft bei Rendezvous Dive Adventure im Barkley Sound


Tag 5: Tauchen im Barkley Sound, vergessener Trocki, Seelöwe und Giant Pacific Octopus

Am nächsten Morgen gab es um 8 Uhr Frühstück. Die beiden hatten wieder allerhand aufgetischt. Für heute standen drei Tauchgänge auf dem Plan. Wir machten uns fertig und bei bestem Wetter fuhren wir eine gute Stunde zu einem von Peters Lieblingstauchplätzen. Unterwegs kamen wir an einer winzigen Insel vorbei, auf der sich Seelöwen sonnten. Als wir uns zum Tauchen bereit machen wollten, stellten wir mit Schrecken fest, dass wir vergessen hatten, unsere Trockies mitzunehmen. Wahrscheinlich aus der Gewohnheit heraus, dass bei unseren bisherigen Bootstauchgängen die Ausrüstung immer an Bord war. Das war blamabel und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Peter war etwas angepisst, Kathy nahm es locker.

Also fuhren wir nochmal den ganzen Weg zurück, holten unsere Anzüge und steuerten den nächsten Tauchplatz Tyler Rock an, wo wir dann kurz nach 11 Uhr mit Peter abtauchten. Kaum waren wir unter Wasser, begegnete Amélie einem Seelöwen, der aber rasch verschwand. Es war abermals ein großartiger Tauchplatz, wir sahen unter anderem eine richtig große und schöne Qualle sowie einen Giant Pacific Octopus, der sich in einer Felsspalte verkrochen hatte. Den nächsten Tauchgang unternahmen wir mit Kathy an der Sedall Island Wall, wo es hauptsächlich Kleinlebewesen wie Krabben und Seesterne zu sehen gab. Nach dem Tauchen freuten wir uns wieder auf den Hot Tub.

Abendessen gab es um 18 Uhr. Kathy hatte eine schmackhafte Pasta gekocht. Da es unser letzter Abend hier am Barkley Sound war, tranken wir unseren Rotwein dazu. Anschließend saßen wir noch gemütlich beisammen und unterhielten uns über Gott und die Welt, wobei die beiden auch einiges aus ihrem bewegten Leben erzählten. Gegen 21:30 Uhr gingen wir dann müde und zufrieden nach diesem erlebnisreichen Tag auf unser Zimmer.

Giant Plumose Anemones am Tauchplatz Tyler Rock


Tag 6: Rückfahrt nach Port Alberni und weiter nach Ucluelet an die Westküste

Am nächsten Morgen frühstückten wir ein letztes Mal zusammen, bevor wir unser Gepäck aufs Boot brachten. Die Sonne schien, über uns war blauer Himmel und es war angenehm warm, so gefühlte 25 Grad. Wir hätten noch einen Tauchgang machen können, aber wir wollten an diesem Tag in Port Alberni noch den ersten großen Einkauf tätigen, nach Nanaimo unsere Tauchsachen zurückbringen und den gleichen Weg wieder zurück fahren und dann weiter bis nach Ucluelet. Die Fahrerei war zwar blöd, aber wegen der Leihausrüstung ging es nicht anders. Der Abschied fiel uns nicht leicht, denn die beiden sind sehr gastfreundlich, ehrlich und engagiert und die Lage der Basis ist traumhaft. Peter brachte uns direkt nach Port Alberni, da er noch zur Hafenbehörde wollte und später die nächsten Gäste mitnahm.

Auf dem Rückweg von Nanaimo legten wir im Örtchen Coombs eine Mittagspause ein. Dort gibt es gleich an der Straße den Old Country Market, auf dessen Grasdach Ziegen weiden. Im angegliederten Restaurant ließen wir uns wieder leckere Burger schmecken. Wohin sollte das noch führen, zuhause achten wir immer auf möglichst gesunde Ernährung. Später hielten wir nochmal in Port Alberni, um einzukaufen, was ziemlich zeitaufwendig war. Dafür hatten wir 125 CAD ausgegeben, der Karton Bier (Sleeman Honey Brown Lager) aus dem Liquor Store nebenan schlug nochmal mit knapp 50 CAD zu Buche. Lebensmittel sind in Kanada teuer und vieles gibt es nur in Großpackungen. Gewürze und unseren Lieblingskaffee hatten wir aus Deutschland mitgebracht. Für so einen Einkauf sollte man 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Die Einkaufsliste hatten wir schon zuhause vorbereitet.

Fische am Tauchplatz Tyler Rock


Erste Übernachtung auf dem Surf Junction Campground

Danach ging es weiter über den Pacific Rim Highway in Richtung Ucluelet, wo wir am späten Nachmittag den Surf Junction Campground erreichten. Unser erster Eindruck war sehr positiv, schöne Umgebung, junge freundliche Leute an der Rezeption, aber leider war der Campingplatz für RVs diese Nacht schon belegt. Als wir dann für den nächsten Tag einen Stellplatz buchten, bot man uns doch noch ein freies Plätzchen an, auf dem normalerweise nur Camper mit Zelten sind. Glück gehabt, der Abend war gerettet. Da wir noch von den Burgern satt waren, ließen wir den langen Tag nur mit einem kühlen Bierchen ausklingen.

Tag 7: Der erste Schwarzbär, Fahrt nach Ucluelet

In der Nacht konnten wir prima schlafen. Es war ruhig, wir hörten keinerlei störende Geräusche. An diesem Morgen bereiteten wir unser erstes Frühstück im Camper zu. Es gab Kaffee, eine Art Brötchen, Käse und Marmelade. Es braucht eine Weile, bis man sich zurechtfindet und weiß, in welcher Schublade das Besteck und ähnliches ist. Mit etwas Glück würden wir heute Schwarzbären sehen können. Peter Mieras hatte uns die Thornton Creek Hatchery empfohlen, die ganz in der Nähe liegt. Mit der Anfahrtsskizze, die er uns gemacht hatte, kamen wir gut zurecht. Es handelt sich dabei um eine Lachsaufzuchtstation, am Thornton Creek gelegen.

Wir fuhren ein Stück in Richtung Ucluelet, dann verließen wir die Hauptstraße und bogen in eine geschotterte Straße in Richtung Port Albion, bis wir ein Hinweisschild auf die Hatchery sahen. Von hier ging es dann noch ein ganzes Stück auf einem befestigten Waldweg bis ans Ziel. Dort trafen wir Dave, einen Bekannten von Peter und Kathy, dem wir Grüße ausrichteten und der uns einen Einblick in seine Arbeit gab. Im Herbst werden die Eier der laichenden Lachse gesammelt, befruchtet, ausgebrütet und die Jungfisch gepflegt, bis sie groß genug sind, um in lokalen Gewässern freigesetzt zu werden.

Dadurch sollen die gefährdeten Lachsbestände an der Westküste aufgebaut und erhalten werden. Der sogenannte Lachsaufstieg im Herbst lockt auch die Bären an, um sich einen Fettvorrat für den Winterschlaf anzufressen. Ein gesicherter Holzsteg führte ein Stück am Bach entlang zu einem kleinen Wasserfall. Wir warteten eine Weile und tatsächlich zeigte sich ein Schwarzbär, kam näher an den Bach, wo er sehr gut zu sehen war. Nach einer Weile verschwand er wieder im Unterholz. Wir sahen uns noch ein wenig auf dem Gelände um und als wir nochmal den Steg entlang gingen, entdeckte ich einen Schwarzbären im Gebüsch. Der gleiche wie vorher? Nach einer Weile zeigte er sich ganz im Sonnenlicht und trottete am Bachufer entlang zum Wasserfall. So schön und nah würden wir in Kanada bestimmt keinen Bären mehr zu sehen bekommen. Das Warten hatte sich gelohnt. Die Aufzuchtstation verlangt keinen Eintritt, freut sich aber über eine Geldspende.

Schwarzbär bei der Thornton Creek Hatchery

Danach fuhren wir den gleichen Weg zurück und weiter nach Ucluelet (von den Einheimischen Ukee genannt), wo wir unser Gefährt auf einen für RVs geeigneten Parkplatz abstellten. Von dort wanderten wir einen kleinen Teil des Wild Pacific Trails, den sogenannten Lighthouse Loop, knappe drei Kilometer durch den Küstenregenwald. Unterwegs boten sich schöne Ausblicke auf den Barkley Sound und auf den Leuchtturm. Auf der Rückfahrt hielten wir kurz im Ort, um bei einem Imbiss Burger mit Fries zu essen. Hier an der Hauptstraße konnten wir sogar noch ein paar Hirschkühe sehen, die ganz ungeniert an Sträuchern knabberten. Da wir ganz gut in unserem Zeitplan lagen, verlängerten wir unseren Aufenthalt auf dem Campground noch für einen Tag.

 
 
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